Virus Auto

Judith, 9. März 2010 | Allgemein, Verkehrskonzepte

Die Geschichte einer Zerstörung

Fragen Sie sich schon länger?

  • Fragen Sie sich schon länger, wie es möglich ist, dass wir dem Auto mehr Platz als unseren Kindern einräumen?
  • Fragen Sie sich beim Anblick endloser, parkender Autoreihen in den Wohnvierteln, wie es sein kann, dass ein Quadratmeter Parkplatz vielerorts gratis ist, während ein Quadratmeter Bauplatz oder Wohnungsmiete am selben Ort viele 100 Euro betragen kann?
  • Was würden Sie sagen, wenn am Straßenrand statt Autos alte Sofas ,,geparkt“ würden?
  • Wollten Sie schon immer wissen, was in uns vorgeht, wenn wir uns zwischen Fußmarsch und Autofahrt entscheiden?

Wenn solche und ähnliche Fragen Sie beschäftigen, kann Ihnen die Lektüre ,,Virus Auto“ von Prof. Hermann Knoflacher, erstaunliche Antworten liefern. Ein Buch für Leser, die ertragen können, dass auch sie gemeint sind.

verkehrt_virus_autoHermann Knoflacher
VIRUS AUTO
Die Geschichte einer Zerstörung.
224 Seiten, mit Skizzen und Fotos
Hardcover mit Schutzumschlag,
Verlag Carl Ueberreuter, Wien 2009
ISBN 978-3-8000-7438-9

 

Kommentar aus brennstoff Nr. 18

Am Anfang stand das Auto für freie Fahrt, für Mobilität und für Freiheit. Heute zeigt sich: So wohl Natur und Gesellschaft als auch das Individuum sind vom VIRUS AUTO befallen: Landschaften werden zerstört, Städte und Dörfer für Autos statt für Menschen angelegt. Sobald ein Mensch ins Auto steigt, verändert sich sein Wesen.

verkehrt_brennstoffWir bauen Werkzeuge oder Maschinen und passen uns dann ihren Erfor dernissen an. Die weitreichende Bedeutung dieser These lässt sich am Automobil besonders gut nachweisen. Hermann Knoflacher (vgl. brennstoff Nr. 7) zeichnet in seinem neuen Buch VIRUS AUTO die Geschichte der Anpassung ans Auto nach. Die nicht bloß originelle Sicht auf das Auto als »Virus« hilft, das Phänomen Auto, an das wir uns so sehr gewöhnt haben, völlig neu zu sehen. Die größte Gemeinsamkeit haben Viren und Autos in ihrer Wirkung: Viren verändern die Zellen dahingehend, dass sie plötzlich nur mehr im Sinne der Viren agieren. Genauso ist es mit dem Auto. Ist eine Gesellschaft vom Virus Auto befallen, dann richtet diese Gesellschaft plötzlich all ihr Leben auf das Auto aus.

Wir anempfehlen VIRUS AUTO als erhellende, Selbst- und Welt-Erkenntnis fördernde Lektüre. Unter neuen brennstoff-FörderABOnnentInnen verlosen wir außerdem 10 Exemplare, mehr dazu unten.

P.S.: Die Zerstörung der österreichischen Eisenbahn deutet – zumal in Zeiten des galoppieren den Klimawandels – darauf hin, dass das Auto – Virus bei unseren VerkehrspolitikerInnen bereits zum Ausfall weiter Teile des Gehirns geführt haben muss. Oder gibt es dafür eine andere, bessere Erklärung? Moreau

zum brennstoff

Aufgelesen

Kriminelles Verhalten, etwa Menschen auf der Fahrbahn zu bedrohen, zu vergasen und ihnen systematisch die Nachtruhe zu nehmen, wird nicht nur toleriert, sondern steuerlich gefördert.

  • Allein in Österreich verschwinden täglich 21 Hektar lebende Erdoberfläche unter Beton und Asphalt. (S. 34)
  • Das Recht wird in Österreich auf diese Weise gebeugt, ja selbst vom Verfassungsgerichtshof übergangen – auch die Richter unterliegen der Faszination des Autos. (S.87)
  • Gemessen am Autolärm müsste es allen Betrunkenen erlaubt sein, die ganze Nacht zu randalieren, was ohnehin harmlos wäre, weil keiner auf Dauer den Lärmpegel halten kann, wie er den Menschen durch den Autoverkehr zugemutet wird. (S.85)
  • In Jahrmillionen mühsam aufgebaute evolutionäre Entwicklung wird außer Kraft gesetzt, wenn die Menschen zwar Platz für das Auto, aber keine Lebensräume für die Kinder mehr haben. (S. 150)
  • Tierquälerei ist verboten. Menschenquälerei nicht; in der automobilen Gesellschaft ist sie zur Norm geworden. (S. 218)
  • Die Maschinerie von Banken, Baufirmen und Politik befindet sich im Krieg gegen die Natur und mittlerweile auch gegen die Bürger. Es wird Krieg geführt für die Autos, gegen die Bürger und die Zukunft. (S. 208)
  • Heute breiten sich allerdings Bürgerwiderstände immer stärker aus. Informierte Bürger kennen die Systemwirkungen des Autoverkehrs heute oft besser als traditionelle Verkehrsexperten oder Beamte der Straßenverwaltungen. (S. 208)

 
 
 

Ein Kommentar zu “Virus Auto”

  1. am 14. März 2010 um 20:41 1.Evelyn Dillinger schrieb …

    Ich habe vorgestern einen Film über die Nordseeinsel Juist gesehen. Dort hatte ich mal 3 Wochen Urlaub ver-bracht und mich gewundert, wie wenig Platz nötig ist, wenn es keine Autos gibt. Man kann Häuser direkt an die Wege bauen, braucht keine Garagen und Parkplätze, von der Ruhe und der guten Luft ganz zu schweigen. Wir sollten wirklich überlegen, ob Autos für uns lebensnot-wendig sind.

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