Die S 37-Krise zieht weitere Kreise

Webmaster, 5. August 2009 | Aktivitäten+Termine, Pressespiegel

Bürger wegen Steinbruch auf den Barrikaden

Die Beeinträchtigungen durch die horrende Zunahme des Verkehrs auf der geplanten S37 lässt viele Bürger bereits jetzt schlecht schlafen. Noch bevor die Verkehrslawine zu rollen beginnen könnte, würde es bereits richtig schlimm werden. Die jahrelangen Staub- und Lärmbelastungen beim Bau einer 25 -35 breiten Trasse sind enorm. Die Vorbereitungen laufen bereits.

Kleine Zeitung 5.8.2009 | ELKE FERTSCHEY

Geplanter Dolomit-Steinbruch in der Gemeinde Kappel bringt Anrainer zum Toben. Konflikt mit Naturschutz befürchtet: Natura 2000-Gebiet soll entstehen.

Dass Besuche fluchtartig das Haus verlassen, weil im Haus alles wackelt wie bei einem Erdbeben, ist Walter Schaffer aus Pölling in der Gemeinde Kappel am Krappfeld schon gewohnt. Dass ihm oft schwindlig wird, weil das ganze Haus vibriert, ebenfalls. Dass aber durch Druckwellen immer mehr Fliesen in seinem Badezimmer zerspringen und sich der Zubau an seinem mühevoll restaurierten, 170 Jahre alten, historischen Haus immer mehr vom Altbau löst, macht ihm sehr zu schaffen. Seit sechs Jahren werden im nahe gelegenen Kalksteinbruch Gösseling Sprengungen durchgeführt, die die schon durch zwei Kies-Schottergruben betroffenen Anrainer auch durch stark gestiegenen LKW-Verkehr auf der Krappfelder Straße L 83 schwer belasten. (Bild Walter Schaffer, KK)

Nun soll zusätzlich am Windischberg in Unterpassering ein Dolomit-Steinbruch entstehen. Die Firma Dolomit Eberstein Neuper GmbH hat um montanbehördliche Abbaugenehmigung angesucht und die Bewohner der Orte Pölling, Weindorf, Passering und Gasselhof auf die Barrikaden gebracht. Sie organisieren als Bürgerinitiative Unterschriftenaktionen und Demonstrationen. „Das Fass ist voll“, schimpft Aktivist Christoph Gruber. Für den Transport von 50.000 Kubikmetern Dolomitgestein pro Jahr seien 40 schwere LKW pro Tag notwendig. Eine weitere Kärntner Firma plane zudem einen 60 Hektar großen Abbau am benachbarten Zoppelgupf, befürchtet die Bürgerinitiative. (Bild: Blick vom geplanten Steinbruch am Windischberg auf die Burg Hochosterwitz. Jeder Burg-Besucher würde den Steinbruch sehen.  KK)

Laut Naturschutz-Experten dürfte kein Abbau erlaubt werden. Neben dem schwer beeinträchtigten Landschaftsbild führt Bernd Gutleb, Leiter der Naturschutzabteilung des Landes, zehn geschützte Orchideenarten, einen Buchenwald als EU-geschützten Lebensraum und zwei prioritäre Tierarten, den Alpenbockkäfer und den Schmetterling „Russischer Bär“ ins Treffen. „Bei Vorliegen dieser Arten ist keine Abwägung anderer Interessen möglich.“ Man habe sogar am betroffenen Standort das Natura 2000-Schutzgebiet Elsgraben-Mannsberg geplant. Naturschutzreferent Uwe Scheuch, der die Natura 2000-Initiative unterstützt, will „dementsprechend“ handeln, sobald das naturschutzrechtliche Verfahren beantragt und durchgeführt wird. (Bild: Russischer Bär auf Gewöhnlichem Wasserdost, Wikipedia)

„Die Behörde wird entscheiden“, gibt sich Gerold Neuper diplomatisch. Als Wirtschaftstreibender müsse er das interessante Dolomit-Vorkommen nützen, es sei für den Ausbau der S 37 vorgesehen. Der LKW-Verkehr würde sich nur um zwölf LKW pro Tag erhöhen, die Sprengungen würden eine geringere Erschütterung auslösen als der Zug, der das Gebiet durchquert. Einer Konfrontation mit der Bürgerinitiative sehe er offen entgegen.
Beitrag auf kaernten.orf.at
 

TERMINE

Infoabend für die Bevölkerung
Freitag , 7. August, 19 Uhr
GH Presser in Passering

Öffentliche Bauverhandlung
Donnerstag, 20. August, 9 Uhr
Buschenschenke Ranner, Unterpassering
 

KONTAKTE

Bürgerinitiative
Walter Schaffer  0664 /135 88 09
Christoph Gruber  0676 / 732 73 85
Gerald Seiler  0664 / 607 47 223
WebSite “Nein zum Neupersteinbruch”
 
 
 

Ein Kommentar zu “Die S 37-Krise zieht weitere Kreise”

  1. am 2. Oktober 2009 um 22:31 1.Andreas Schaubach schrieb …

    Schottergrube Wolschart
    Leserbrief vom 3.10.2009, Kärntner Tageszeitung
    http://wolschart.wordpress.com

    Bei der Diskussion um die S 37, die auch den Wolschartforst durchschneidet, darf ein Ansatz nicht fehlen: Das Krappfeld und insbesondere der Wolschartwald sind reich an Wasservorräten, mit denen nicht nur Althofen und das Krappfeld versorgt werden könnten, sondern in Dürrezeiten und Notfällen – über die Wasserschiene Krappfeld-St. Veit – auch der Großraum St. Veit-Klagenfurt mit mehr als 100.000 Einwohnern. Nun ist bei der Wolschart-Ausfahrt Kappel/Krappfeld – Guttaring eine riesige Schottergrube projektiert, welcher unzählige Hektar des Forstes geopfert werden sollen. Diese Schottergrube dient einzig und allein der Profitmaximierung, die beim Ausbau der S 37 angepeilt wird. Außer der massiv gesteigerten Lärm- und Abgasbelästigung für Passering und die Längsee-Region kann es auch zu einer Belastung des Grundwassers kommen, ja es könnte zu einer nachhaltigen partiellen Gefährdung des Wasserspeichers Wolschart führen. Mit der Beeinträchtigung des Naherholungsgebietes Wolschart wird hier der naturnahen Tourismusregion rund um den Längsee ein weiterer äußerst negativer Aspekt vorgelagert.

    Andreas Schaubach

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