Emotionale Angelegenheit?

Webmaster, 4. Juli 2009 | Land + Wirtschaft, Verkehrskonzepte

Murtaler Zeitung -Aufmerksam gelesen

Die Murtaler Zeitung widmet sich in einer aktuellen Auflage (25. Juni 2009) gleich zweimal dem Thema S37. Im Sinne unabhängiger publizistischen Arbeit (?) ging es darum, den Befürwortern eine Stimme zu leihen. Die generelle Diktion, die sich durch beide Artikel zieht, versucht die S 37-Gegner als emotional aufgebrachte Menschen in eine weniger ernst zu nehmende Ecke zu stellen. „Abseits aller Emotionen“ gelte es, Vor- und Nachteile zu gewichten. So irgendwie nach dem Motto: „Jetzt hört mal zu Kindern, der Papi erzählt euch, wie das alles wirklich ist.“

Dabei finde ich Logik schon eine treffliche Sache, man darf nur nicht zu früh mit dem Denken aufhören. Das ist den Verfassern der Artikel „in der Hitze der Investigation“ durchwegs passiert. Den schrecklichen Tod zweier Mopedfahrer in Zusammenhang mit dem Schnellstraßenausbau zu bringen, ist so ein Fehlschluss, denn konsequent zu Ende gedacht müsste dann ja gelten: Wird die B317 zu einer vierspurigen Schnellstraße ausgebaut, kann es zu keinen tödlichen Mopedunfällen mehr kommen (oder zumindest wird die Zahl sinken)? Wahr ist vielmehr, und das beweisen viele internationale Studien, dass es einen eindeutigen Zusammenhang von Verkehrsaufkommen und Unfalltoten gibt. Je mehr PS pro Stunde, desto mehr Tote pro km, grausam aber wahr. Dass Mopedfahrer (und besonders Jugendliche) ihr Leben vor allem im Ortsgebiet und auf Landesstraßen lassen müssen, hätte im Übrigen via Statistik Austria recherchiert werden können. Bleibt zu hoffen, dass der unsaubere Umgang bei diesem Thema in Zukunft unterbleibt, es ist auch so schon herzzerreißend genug.

Und dann noch das Beispiel Wörtherseeraum, wo das Zusammenspiel von Verkehrsfluss und Tourismus ein „reibungsloses“ sein soll. Herr Pfister und Herr Bartelmuss, der Wörthersee ist durch die Uferautobahn nachhaltig und unwiederbringlich verhunzt worden. Kein Mensch würde diesen Kapitalfehler heute noch begehen (Pörtschacher Zeitung). Dass sich durch eine durchgehend vierspurige S 37 die Lage dort noch weiter zuspitzt, sei nur am Rande erwähnt. Andere Gebiete hatten da mehr Glück, wie etwa Bregenz, wo „in grauen Vorzeiten“ auch einmal an eine Uferautobahn gedacht wurde. Oder Hallstatt, wo heute ein Schutzengel auf dem See schwimmt – als Denkmal der Vernunft gegen den Straßenbauwahnsinn.


 
Der aufmerksame Leser wird noch weitere Unstimmigkeiten finden können, hier bietet sich die Gelegenheit:
Murtaler Zeitung – Emotionale Angelegenheit
Murtaler Zeitung – Wirtschaft votiert für Ausbau
 

Zu ihrem Artikel : „Emotionale Angelegenheit“

Mir ist klar ist, das junge Menschen oft emotional, ohne viel Nachzudenken einfach etwas Herausschreien oder Schreiben. So wie Sie Herr  Verderber! Mit genaueren Recherchen wäre ihnen diese Werbeeinschaltung nicht passiert.
Einen Punkt sollten sie aber unbedingt wissen. Die Landes- und Bundesstrassen zwischen Scheifling und Dürnstein sind auch deshalb in so einem schlechten Zustand, weil die Verantwortlichen für hochrangige Straßen damit ihre Rechtfertigung bekommen. Wegen Gefahr im Verzug sollte die genannte Straße sofort einen durchgehend geschlossenen Asphaltbelag bekommen.

Weiters sollten sie sich die Fragen stellen:
Warum hat von österreichischen Institutionen fast niemand mehr Geld außer der ASFINAG?
Warum braucht die ASFINAG Millionenbeträge nur für Marketing?
Beiliegend ein paar Fakten zu dem Thema.

Mit freundlichen Grüßen

Ing. Karl Stocker
8811 Scheifling

 

Sehr geehrte Murtaler-Redakteure,

speziell die Herren Pfister und Verderber (notabene)!
Als regelmäßiger Leser schätze ich die solide und seriöse Berichterstattung der Murtaler Zeitung, auch wenn oftmals eine andere Meinung als die meinige vertreten wird, das gehört einfach zur Meinungsvielfalt. Es ist deshalb begrüßenswert, wenn natürlich auch Befürworter des S37-Schnellstraßenbaues zu Wort kommen. Aber das was Sie in der letzten Ausgabe unter “Wirtschaft votiert für Ausbau” abdruckten, passt bestenfalls in den bezahlten Anzeigenteil. Im Interesse des guten Rufes der Murtaler Zeitung sollte schon zwischen Berichterstattung und Privatmeinung eines Herrn Bartelmuss differenziert werden.

Wenn der Herr Magister auch im Vorstand der Industriellenvereinigung wirkt, so ist es umso bedenklicher, wenn er sich anmaßt für die ganze Wirtschaft zu sprechen, tatsächlich aber nur einen Teil rekrutierter “Konzernwirtschaftslobbyisten” im Rücken hat und verabsäumt, in seiner Funktion die für unseren Bezirk ausschlaggebenden und überlebensnotwendigen Wirtschaftssparten der Klein- und Mittelbetriebe zu vertreten, sowie eine ganze Reihe anderer Wirtschaftsegmente  denen der Schnellstraßenbau mit seinen unvermeidlichen Folgen nachweislich den Todesstoß versetzen würde. Bartelmuss und Bürgermeister Gruber waren im April 2008 die Speerspitze des Wiederstandes gegen die S37, solange noch eine Korridorvariante an seinem Wohnsitz vorbeiführte. Jetzt wo nicht mehr er selbst, sondern andere betroffen sind, schlägt sein Engagement ins Gegenteil um – die Glaubwürdigkeit in Person!


 
In dem Artikel wird zu Beginn angeführt, Bartelmuss brächte emotionslos Argumente, die für einen Ausbau sprechen. Im gesamten doppelseitigen Beitrag war aber kein einziges Argument enthalten. Es liegt schon in der Verantwortung Ihrer Zeitung zwischen (beweisführender) Argumentation und bloßen Behauptungen, wie sie hier gebracht wurden, zu unterscheiden und im richtigen deutschen Sprachgebrauch die sinngemäße Wortwahl zu treffen, anderenfalls verzerrt sich der Themenbericht zu einer Werbeeinschaltung. Es würde den Rahmen eines Leserbriefes sprengen, auf die Behauptungen eingehend zu entgegnen, allerdings wurden allesamt bereits mehrfach in Publikationen und Informationsveranstaltungen widerlegt. Es ist daher unverständlich und gleicht Gehirnwäschemethoden, wenn  sie trotzdem immer wieder von Neuem aufgestellt werden, ohne sie durch entsprechende Beweismittel untermauern zu können.

Schon die Verwendung des falschen Begriffes “Ausbau” für einen in der Steiermark zu 100% abseits des B317-Landesstraßenbestandes projektierten autobahnähnlichen Straßenbau wird offensichtlich gezielt zu einer unkritischen Bewusstseinsbildung für diesen Schnellstraßenneubau missbraucht. Die Aussagen von Bartelmuss “Politiker wie Lambert Schönleitner haben noch keinen Arbeitsplatz in der Region geschaffen” und “würde Gegnern die Fahrt auf anderen Autobahnen verbieten” von Hans Köstner disqualifizieren eigentlich nur ihre Urheber selbst und brauchen nicht weiter kommentiert zu werden.

P.S.: Anregung für die Murtaler Zeitung:
Das Erschlagen des Lesers mit leeren Behauptungen kann wohl nicht im Sinne einer informativen Berichterstattung sein. Es könnten in künftigen Ausgaben PRO und KONTRA-Argumente bezüglich S37 gegenübergestellt werden, aber jeweils nur eines, und wirklich nur EINES, damit darauf näher eingegangen werden kann, samt erforderlicher Beweisführung. Nur so ist eine seriöse Auseinandersetzung mit dem Thema möglich. Leider hat auch die Politik bisher diese Art der Entscheidungsfindung verabsäumt.

Mit freundlichen Grüßen

Ing. Herbert Hilscher
A-8811 St. Lorenzen bei Scheifling 89

 

Artikel zu „Notabene“ vom 26.06.2009

Sie schreiben von Sicherheit, von Tod und verbinden Mahnkreuze, die als Mahnmal gegen den Tod einer ganzen Region am Hügel aufgestellt werden mit den Andachtskreuzen, die von Hinterbliebenen zum Andenken an Unfallopfer am Straßenrand aufgestellt werden. Das finde ich pietätlos und dient nur der Emotionalisierung von Lesern. Gerade in dieser Sache sind aber weniger Emotionen und mehr sachlicher Menschenverstand notwendig. Mopeds dürfen auf Autobahnen nicht fahren. So gesehen hat der tragische Tod nichts mit dem Ausbau der S37 zu tun. Fragen Sie sich lieber, wie dieser Unfall hätte vermieden werden können, recherchieren Sie und appellieren Sie an die Einhaltung der Straßenverkehrsordnung. Damit tun Sie was Nützliches. So hat es den Anschein, als wären Sie Propagandist der Autobahnlobby.

Mag. Rudolf Grothusen
(Unternehmer und Vielfahrer auf besagter Strecke)
9360 Friesach

 

Wie schnelllebig die Zeit doch ist!

Vom großen Autobahngegner (Murtal 1, April 2008), der sich das Verhindern der Teufenbacher-Variante auf die Brust heftete zum heute lautstarken Autobahnbefürworter, natürlich NUR über die Perchau!! Herr Mag. Bartelmuss, da muss wirklich einiges „abseits ALLER Emotionen“ laufen!

Das sind widerwärtige und verwerfliche Praktiken!!!

Elisabeth Edlinger
8820 Neumarkt

 

Sehr geehrter Herr Verderber!

Sie schreiben in der Murtaler Zeitung vom 26. Juni 2009 ganz richtig über das gefährliche Nadelöhrt B317. Die Kreuze können Sie sicher für die Todesopfer des Verkehrs ansehen. Schön wäre es, wenn Sie nach den Verantwortlichen für Unfälle fragen würden: zu hohe Geschwindigkeit, unangepasste Fahrweise, Alkohol sind die Hauptursachen von Verkehrsunfällen. Die seit Jahrzehnten laufende Verhinderung von lokalen Umfahrungen wird immer verschwiegen.

Dass auf einigen Stellen der B317 Verbesserungen notwendig wären streitet
niemand ab. Nur: durch die derzeit als „Sicherheitsausbau“ oder wie auch immer verpackte Schnellstraße wird sich die Zahl der Todesopfer nicht verringern, es werden mehr werden. Umweltschäden durch den Verkehr und die damit verbundenen gesundheitlichen Folgen und Todesopfer lassen sich leider nicht so schön als Schlagzeile verkaufen als Verkehrsunfälle, sind aber auch Auswirkungen und „Todesopfer“ des Verkehrs.

Statt zu fragen: „Vielleicht würde der Ausbau dazu beitragen, dass jene Kreuze, die ursprünglich als Mahnmals gedacht waren, nicht irgendwann für die Todesopfer nach Verkehrsunfällen stehen.“ sollten Sie fragen: „Würde der Ausbau dazu führen, dass jene Kreuze, die ursprünglich als Mahnmal gedacht waren, für die zusätzlichen Todesopfer durch den Verkehr stehen?“

Informieren Sie sich doch bitte über die Auswirkungen einer Schnellstraße.
Falls Sie dafür Unterstützung benötigen: ich helfe Ihnen gerne dabei.

MfG.
Ing. Peter Hasler
8820 Neumarkt

 

Sehr geehrter Herr Mag. Bartlmuss!

Leider wenden Sie hier das Floriani-Prinzip an: Bedrohungen nicht zu lösen, sondern auf andere zu verschieben. Als es darum ging, die Schnellstraße durch Ihren Heimatort Teufenbach zu verhindern waren Sie an vorderster Front der Gegner der S37.

Nachdem diese Variante anscheinend vom Tisch ist und die Nachbarorte zerstört werden sollten sind Sie auf einmal die Speerspitze der Befürworter. Für mich ist allerdings klar, dass Sie als Vorstandsmitglied der Industriellenvereinigung die Industrieinteressen vertreten müssen: Firmen in Wien haben höchstes Interesse, einen billigeren und kürzeren Verkehrsweg nach Italien zu bekommen. Das bedeutende Teile der Wirtschaft in unserem ländlichen Raum durch die Schnellstraße massive Nachteile bekommen werden ist zwar bekannt, wird aber am Opfertisch der Großindustrie geopfert. Ganz zu schwiegen von den Umwelt- und Gesundheitsbelastungen für die Bevölkerung der betroffenen Gebiete.

MfG.
Ing. Peter Hasler
8820 Neumarkt

 

Straßenbau erhitzt Gemüter

Zum Leserbrief von Ing. Moder am 2. Juli 2009 auf Seite 3 der Murtaler Zeitung

Sehr geehrter Herr Ing. Moder,

Wenn Sie die tödlichen Unfälle zwischen Judenburg und Dürnstein auf der B317 thematisieren gebe ich Ihnen vollkommen recht: jeder Tote ist zu viel. Nur damit den Bau der Schnellstraßen S36/S37 zu fordern ignoriert bekannte Tatsachen:
Nach Ihren Daten kommt es pro Jahr (ich rechnete die Daten auf pro Jahr um, um Vergleichszahlen zu bekommen) zu 1,86 Verkehrstoten zwischen Judenburg und Dürnstein oder anders gesagt kommt es pro Jahr alle 23,8 km zu einen Unfall mit einem Todesopfer. Wenn man die Unfallzahlen für die Steiermark für 2003 bis 2008 anschaut, kommen auf 452,6 km Autobahnen und Schnellstraßen 142 Verkehstote oder umgerechnet auf 19,1 km ein Unfall mit einem Todesopfer pro Jahr. Von einen Sicherheitsgewinn sehe ich nichts, eher eine Verschlechterung!

Ich verstehe Sie allerdings aus einem anderen Grund: Als Obmann der Fachgruppe für das Güterbeförderungsgewerbe der Wirtschaftskammer Steiermark müssen Sie die allgemeinen Interessen der Transportwirtschaft vertreten: es besteht ein großes Interesse, von Wien nach Italien kürzer und schneller zu fahren. Das damit Nachteile für den regionalen Wirtschaftsstandort verbunden sind, sollte Ihnen als im Bezirk Murau ansässiger Unternehmer allerdings bekannt sein. Ganz zu schwiegen von den Umwelt- und Gesundheitsbelastungen für die Bevölkerung der betroffenen Gebiete und den damit verbundenen Toten. Nur finden diese Verletzten und Toten keinen Eingang in die Unfallstatistiken und werden nicht als Opferzahlen des Verkehrs ausgewiesen.

Mit freundlichen Grüßen

Ing. Peter Hasler
8820 Neumarkt

 

Sehr geehrter Herr Mag. Bartelmuss,

nach einem Jahr Pause möchte ich Ihnen wieder das „Vergnügen“ bereiten, von mir Post zu bekommen. Aber zuerst herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Flexibilität, Sie lassen manchen Politiker neben Ihnen alt aussehen. Als Eiskunstläufer würden Sie mit Ihren Pirouetten hervorragende Noten bekommen.

Erlauben Sie mir, dass ich mich kurz vorstelle: ich war 30 Jahre lang in leitender Position bei namhaften Firmen (Hoechst, AGFA, Kodak) tätig. Dabei habe ich in drei Kontinenten gelebt und gearbeitet (Deutschland, 3x USA, Korea und China). Meine Personal- und Budgetverantwortung war stets ein Vielfaches von IBS, allerdings muss ich gestehen: nicht als Eigentümer. Ich kann mit Stolz darauf zurückblicken, dass ich (anders als Herr Schönleitner) viele Arbeitsplätze geschaffen zu haben (wenn auch nicht in Österreich), und wenn es um Diskussion über Wirtschaft geht, bezeichne ich mich als sattelfest. Damit möchte auch ich Ihnen für Ihre unternehmerische Leistung meinen hohen Respekt zollen. Doch es geht mir in diesem Schreiben nicht um Ihre wirtschaftliche Kompetenz, sondern um menschliche und ethische Aspekte. Ich selbst gehöre keiner Partei an und zähle mich nicht zu den „Chaoten“, die sich an Bäume ketten.

Beginnen wir mit April 2008, also vor 15 Monaten. Im Murtal1 ist zu lesen, dass sich der Protest gegen die Autobahn formiert (rund um den Industriellen Heinz Bartelmuss. „Strategisch will man dabei vorgehen“, so der angesehene Industrielle. Teufenbach wird als Gemeinde der Wirtschaft gepriesen, und ich bin der Meinung, dass nicht viele Gemeinden diese Bezeichnung verdienen.

Kurz darauf ist im Murtal1 zu lesen, dass sie die Mitglieder der Bürgerinitiative in eine Traumwelt platzieren und es kommt die unverhohlene Drohung eines Invesitionsstops (klingt immer gut, vor allem wenn man eh nicht investieren will). Am 5. Juli 2008 entschloss ich mich, Ihnen und Ihren Unternehmerkollegen zu antworten. Schon damals wies ich darauf hin, dass es keinen Zusammenhang zwischen Abwanderung von Unternehmen und Anbindung an die Autobahn gibt. Damals war die Schließung des TRW-Werks aktuell, heute erspare ich Ihnen die Diskussion um AT&S in Leoben (ein „gemachteres“ Nest kann man sich in dem Fall gar nicht vorstellen….großzügige Förderungen, eigener Autobahnzubringer etc.) Aus meiner Zeit in der Industrie weiß ich, wie unbedeutend die Transportkosten im Vergleich zu den Gesamtkosten sind. Und Sie befürworten eine Verpestung der Naturpark-Region, nur damit Ihre (wenigen) Lkws 6-7 min Zeit pro Fahrt sparen. Zusätzlich argumentierten Sie, dass ihre Manager auch mal nach Graz ins Theater fahren wollen (wie oft bitte?) und dass da eine Autobahn schon angenehmer wäre. Mir ist keine einzige Studie bekannt, wo eine „Verautobahnung“ zum wirtschaftlichen Aufschwung einer Region geführt hat, meistens ist das Gegenteil eingetreten: die strukturschwachen Regionen sind weiter verarmt.

In meinem Brief vor einem Jahr habe ich auch erläutert, wie sehr die mit Autobahnen gesegneten Bezirke (Leoben, Judenburg, Mürzzuschlag) von massiver Abwanderung geplagt werden, während die Bevölkerungszahl des Bezirks Murau zwar abnimmt, aber vergleichsweise eher stagniert. Was Sie mit Ihrer Befürwortung erreichen werden ist, dass Murau auch zum Luftsanierungsgebiet wird, wie alle anderen steirischen Bezirke, ausgenommen (noch) Liezen.

Sie wissen auch, dass sich der Motorisierungsgrad in Österreich in den letzten 10 Jahren nicht verändert hat, d.h. wir brauchen keine neuen Autobahnen (schließlich haben wir in der EU schon die drittmeisten Autobahnkilometer pro Einwohner). Wir bauen für unsere Steuergelder Luxus-Transitautobahnen für ausländische Lkws, während unsere Landesstraßen in bedauernswertem Zustand sind. Dabei decken die Mauteinnahmen durch Lkws nur 20% der tatsächlich anfallenden Kosten. Wären Sie der Besitzer der Asfinag, würden Sie diesen groben Unfug sofort einstellen. Ich glaube nicht, dass bei IBS der Umsatz 20% Ihrer Kosten beträgt.

Als Unternehmer werden Sie es sicher nicht gerne sehen, wenn der Tourismus in die Knie gehen wird. In Zedernhaus ist die Zahl der Nächtigungen von 130.000 pro Jahr (vor dem Bau der Tauernautobahn) auf nun 20.000 zurückgegangen, und davon ist ein guter Teil Nächtigungen durch Bauarbeiter. Das wird mit dem Naturpark Grebenzen auch passieren (z.Zt. 150.000 Nächtigungen).

Immer wieder wird als „Argument“ die Sicherheit angeführt, was angesichts der offiziellen Statistiken geradezu lachhaft ist. Da werden einzelne Unfälle, wenn es dem Herrn gerade passt, als „typisch“ herangezogen. Dabei ist bekannt, dass zu hohe Geschwindigkeit, Alkohol und Unaufmerksamkeit die drei wichtigsten Unfallursachen sind. Selbst die Asfinag, die eine Fremdfirma beauftragte, musste einsehen, dass es sich bei dieser Trasse um eine unfallarme Trasse handelt. Was aber völlig von Ihnen zur Seite geschoben wird ist die Tatsache, dass durch die Schadstoffbelastung (Abgase, Feinstaub, Lärm) mehr Menschen zu Tode kommen als durch Unfälle. Aber dafür setzen Sie sich nachhaltig ein.

Zu all dem Übel von Feinstaub, Abgasen und Lärm (nur damit Ihre paar Lkws 6-7 min Zeit sparen) kommt auch noch das Problem der Kriminalität. Kürzlich wurde in der Presse veröffentlicht, dass mehr als 30% aller Einbrüche in Firmen im Umkreis von 1.5 km von Autobahnen und Schnellstraßen begangen werden.

Sie führen immer wieder Tunnels, Unterflurtrassen und Lärmschutzwände zur Beschwichtigung an. Selbst die Asfinag gibt auf ihrer Website zu, dass es KEINE umweltfreundlichen Tunnels gibt, und die Erfahrung lehrt uns, dass bei Projektende das Geld aufgebraucht ist, und deshalb die versprochenen Lärmschutzwände nicht gebaut werden.

Sie verniedlichen auch die Gefahr einer TRANSIT-Autobahn als Schauermärchen. Dazu kann ich nur sagen: Geographie NICHT GENÜGEND. Aber Sie werden ja nicht an Ihren Geographie-Kenntnissen sondern an Ihrer unternehmerischen Leistung gemessen. Stellen Sie sich bitte an die Bundesstraße in Neumarkt und beobachten eine halbe Stunde lang, woher die vielen Mautflüchtlinge kommen (Polen, Italien etc.) Uns droht, und darin sind die Experten einig, eine Autobahn, die schlimmer ist als die Inntalautobahn (belegt durch die Zahlen der Asfinag). Was das für unsere Gesundheit bedeutet, wissen wir aus diesem leidgeprüften Bundesland, wo die Grenzwerte für Stickstoffdioxid und Feinstaub fast täglich doppelt so hoch sind wie erlaubt. Wo bitte bleiben da die verantwortungsvollen Politiker? Auch eine Resolution von 1200 Tiroler Ärzten, die klar und deutlich auf die Gefahren für die Gesundheit hinweisen, wird weitgehend ignoriert.

Inzwischen scheinen Sie (wie aus der Zeitung vom 25. Juni ersichtlich ist) eine neue Brille zu haben, aber Ihren Durchblick hat sie nicht verbessert. Sie sind nun froh, dass „der Kelch der Transitautobahn“ an Teufenbach vorüber gegangen ist. Von dieser sicheren Warte aus lässt sich nun gut FÜR die Autobahn Propaganda machen. Nach dem Motto: „ich bin bedingungslos für die Autobahn, solange sie nicht vor meiner Haustür vorbeiführt.“

Ihre Argumente sind seicht (Unfälle, Staus) und dann natürlich wieder die leere Drohung mit dem Investitionsstop. Aber Ihre plötzliche Aktivität macht mich stutzig, vor allem wenn Sie so spontan, cool, und abseits von Emotionen sind. Das klingt für mich ganz danach, dass z.B. die jüngst aktiv gewordene Public Relations Company Hochegger.com Sie vor den Karren gespannt hat. Diese Firma wurde ja von der Landesrätin Edlinger-Ploder eingesetzt, um die Stimmung in der Bevölkerung zu manipulieren (pardon, die Dame hat ein politisch korrekteres Wort verwendet). Die Bürgerinitiativen im Ennstal sind jedenfalls auf der Hut vor diesen Machenschaften. Das ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass nach einer Umfrage in der Kronenzeitung sich 90% der Leser GEGEN die Autobahn ausgesprochen haben.

Da muss man natürlich als Regierung schon was tun, (so wie die EU in Irland so lange abstimmen will, bis das Ergebnis „stimmt“) und da sind Sie als bekanntes und populäres Zugpferd natürlich die erste Wahl in dieser Region. Aber bitte bedenken Sie, so wie eine Schwalbe noch keinen Sommer macht, so macht ein Bartelmuss noch keine Autobahn.

Abschließend möchte ich, da ich nicht glaube, dass Sie meinen Brief vom vorigen Jahr aufgehoben haben, Ihnen eine Passage kopieren: an der TU Wien wurde das Geschäftsgebaren der Asfinag im Zusammenhang mit der S36 untersucht.

  • Der humanmedizinische Sachverständige hat das dringendste Problem der Lärmspitzen gar nicht behandelt, was die gesamte Vorgangsweise in Frage stellt
  • Transparenz, Plausibilität und Nachvollziehbarkeit sind nicht gegeben
  • Diese Argumentationslinie ist eines Sachverständigen für Luft und Klima unwürdig
  • Auf Grund überhöhter Prognosen wurde eine Ausbauerfordernis abgeleitet. Mit korrigierten Prognosen wäre kein Ausbau nötig
  • Ozon ist ein klimarelevantes Gas, wird aber gar nicht behandelt
  • Wegen dieser Unklarheiten kann die Umweltauswirkung nicht berechnet werden
  • Lärm: das Vorhaben ist umwelthygienisch völlig fahrlässig
  • Um Grenzwertüberschreitungen beim hochgiftigen Stickstoffdioxid ausschließen zu können, wird der Bau einer Lärmschutzwand als sinnvoll erachtet. […ist in Wahrheit unwirksam und unsinnig]
  • Die Vorgangsweise des umwelthygienischen Gutachters ist falsch
  • Jede Auseinandersetzung mit den Rahmenbedingungen des Verkehrswachstums sind unterblieben
  • Prognosen sind systemwidrig
  • Keine differenzierte Analyse an relevanten Zählstellen

Aber ich prophezeie, dass Sie Ihre Meinung in bewährter Manier wieder ändern werden, dann nämlich, wenn von Scheifling die Autobahn Richtung Tamsweg gebaut wird. Dann ist Teufenbach wieder in Gefahr und in einer Opferrolle. Dann werden Sie wieder, wie vor einem Jahr „strategisch vorgehen“. Aber das wird wohl noch ein paar Jahre dauern.

Mit freundlichen Grüßen,

Dr. Gerhard Sprintschnik
8820 Neumarkt

 
 
 

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