Luft Sanierungsgebiet Mittelkärnten

Franz Kerschbaumer, 17. Januar 2009 | Gesundheit, Transit

Zunahme der Luftschadstoffe in Mittelkärnten

Das Klagenfurter Becken, das zu den inneralpinen Becken zählt, ist bekannt durch das Auftreten von häufigen Inversionswetterlagen. Bei Inversionswetter können die bodennahen kalten Luftschichten  nicht abfließen, sodass sich Luftschadstoffe anreichern. Die  Messwerte der Luftgütemeßstationen im Großraum Klagenfurt (und auch St. Veit/Glan) zeigen, dass die IG_L Grenzwerte  für Feinstaub  sehr häufig überschritten werden. Mit der Verschärfung der erlaubten Überschreitungen für 2010  wird  nicht nur Klagenfurt sondern der gesamte Mittelkärntner Raum zum Luftsanierungsgebiet. Der IG-L Zielwert  für Feinstaub  wird  derzeit beträchtlich überschritten.
Auch der Luftschadstoff  Stickstoffdioxid  überschreitet jetzt schon die neuen verschärften Grenzwerte, die ab 2012 gelten werden. Das bedeutet, dass die Region Mittelkärnten ab 2012  in  zweifacher Weise Luftsanierungsgebiet wird. Es ist zweifelsfrei nachgewiesen, dass  der Straßenverkehr (hier v.a. Dieselfahrzeuge) einen beträchtlichen Anteil der Luftschadstoffe Stickstoffdioxid und Feinstaub liefern.
Durch das Ausbauprojekt S37 wird es zu einer starken Verkehrszunahme kommen. Besonders der Diesel betriebene  LKW Transit- und Durchzugsverkehr wird stark zunehmen. Die Bevölkerung Mittelkärntens ist somit  durch das hohe zu erwartende Verkehrsaufkommen auf der ausgebauten  S37 einem erhöhten und nicht mehr verantwortbaren Gesundheitsrisiko ausgesetzt. Zudem kommt es zu einer weiteren Verringerung der Lebenserwartung.

Ausbau der S37 und Richtlinie  des europäischen Parlaments

über Luftqualität und saubere Luft für Europa

Durch den Ausbau der S37 und den damit verbundenen Lückenschluß zwischen  Judenburg und Klagenfurt  wird  in der Region des oberen Murtales sowie  in Mittelkärnten (Krappfeld  und Zollfeld) eine Verdoppelung des Straßenverkehrs  generiert. Das bedeutet eine beträchtliche Zunahme der Luftschadstoffe v.a. Feinstaub  und Stickstoffoxiden.
Das Projekt S37  widerspricht somit eindeutig den Zielsetzungen  der IG-L  Richtlinie 2008/50/EG   Artikel 1, Pkt. 5  !!!

Hier einige Auszüge aus der Richtlinie:

RICHTLINIE 2008/50/EG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 21. Mai 2008 über Luftqualität und saubere Luft für Europa

(2) Zum Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt insgesamt ist es von besonderer Bedeutung, den Ausstoß von Schadstoffen an der Quelle zu bekämpfen und die effizientesten Maßnahmen zur Emissionsminderung zu ermitteln und auf lokaler, nationaler und gemeinschaftlicher Ebene anzuwenden. Deshalb sind Emissionen von Luftschadstoffen zu vermeiden, zu verhindern oder zu verringern und angemessene Luftqualitätsziele festzulegen, wobei die einschlägigen Normen, Leitlinien und Programme der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu berücksichtigen sind.

(9) Wo bereits eine gute Luftqualität gegeben ist, sollte sie aufrechterhalten oder verbessert werden. Wenn die in dieser Richtlinie festgelegten Ziele für Luftqualität nicht erreicht werden, sollten die Mitgliedstaaten Maßnahmen ergreifen, um die Grenzwerte und kritischen Werte einzuhalten und, soweit möglich, die Zielwerte und langfristigen Ziele zu erreichen.

Artikel 1 – Gegenstand

Die in dieser Richtlinie festgelegten Maßnahmen dienen folgenden  Zielen:
1. Definition und Festlegung von Luftqualitätszielen zur Vermeidung, Verhütung oder Verringerung schädlicher Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt insgesamt;

2. Beurteilung der Luftqualität in den Mitgliedstaaten anhand einheitlicher Methoden und Kriterien;

3. Gewinnung von Informationen über die Luftqualität als Beitrag zur Bekämpfung von Luftverschmutzungen und -belastungen und zur Überwachung der langfristigen Tendenzen und der Verbesserungen, die aufgrund einzelstaatlicher und gemeinschaftlicher Maßnahmen erzielt werden;

4. Gewährleistung des Zugangs der Öffentlichkeit zu solchen Informationen über die Luftqualität;

5. Erhaltung der Luftqualität dort, wo sie gut ist, und Verbesserung der Luftqualität, wo das nicht der Fall ist;

6. Förderung der verstärkten Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten bei der Verringerung der Luftverschmutzung.

Richtlinie
 
 
 

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