Protest gegen zweite Südautobahn

Webmaster, 27. August 2008 | Pressespiegel, Transit

aus “Die Presse”, 25.August 2008
ROBERT BENEDIK

15 Bürgerinitiativen kämpfen gegen den Ausbau der „Friesacher Bundesstraße“

KLAGENFURT. Über den Semmering ist die Straßenverbindung von Wien nach Klagenfurt um rund 30 Kilometer kürzer als über die Südautobahn. Das machen sich schon heute zahlreiche Schwerfahrzeuge zu Nutze, obwohl auf der zweispurigen Strecke im steirisch-kärntnerischen Grenzgebiet eine Gewichtsbeschränkung von 7,5 Tonnen gilt. Jetzt soll die B317 („Friesacher Bundesstraße“) zur Autobahn ausgebaut werden.

Dagegen erhebt sich massiver Widerstand der Anrainer. Es gibt bereits 15 Bürgerinitiativen entlang der geplanten Trasse. Der Verein „S37 Nein Danke“ in der Grenzstadt Friesach hatte in kürzester Zeit 1000 Mitglieder. Sprecher Gerald Grün: „Alle wissen, dass dieses Bauprojekt auf Kosten der Bürger, der Gesundheit, der Natur und der Kultur geht.“ Laut Autobahngegnern sei die neue Verbindung vom europäischen Nordosten in den Süden kürzer als die bestehende. Deshalb sei zu befürchten, dass sie zur Haupttransitroute auf dem Weg von Berlin nach Neapel wird.

Anders argumentiert die Asfinag, die vom Bund den Auftrag zum Ausbau der B317 bekommen hat. Sie spricht von „maximaler Verkehrswirksamkeit durch Schaffung einer leistungsfähigen Vernetzung der österreichischen Wirtschaftsräume“. Auf der Homepage steht überdies zu lesen, dass die neue Autobahn „die Lebensqualität der Anrainer durch Entlastung der Ortsdurchfahrten verbessert“ und die „Verkehrssicherheit durch getrennte Richtungsfahrbahnen verbessert“ wird.

Die Projektgegner wollen an die versprochenen Verbesserungen nicht glauben. Sie leiden schon heute unter starker Lärm- und Schadstoff-Belastung. Gerald Grün: „Wir wohnen in einer Höhe von 1150 Metern über dem Tal und hören jeden einzelnen Lkw. Ich will mir gar nicht ausmalen, wie es um unsere Lebensqualität bestellt sein wird, wenn erst eine voll ausgebaute Autobahn durch unsere Region führt.“

„Mindestens sechs Fahrspuren“

Der engagierte Autobahngegner greift als Argumentationshilfe zur Alpen-Konvention, die auch von Österreich unterzeichnet worden ist: „Die Alpenländer sind darin übereingekommen, den Bau neuer Transitstrecken in ihrem Bereich nicht mehr zuzulassen.“ Dass die neue Autobahn eine Transitstrecke wird, steht für Grün gänzlich außer Zweifel. „Die projektierte Trasse hat eine Breite von 30 Metern. Das ermöglicht den Bau von mindestens sechs Fahrspuren“, sagt er.

Kärntens Verkehrsreferent Gerhard Dörfler hat schon mehrfach versucht, den erzürnten Anrainern die neue Autobahn schmackhaft zu machen. Sein Argument: Der leistungsfähige Verkehrsweg werde neue Impulse für die Wirtschaft schaffen. Doch diese Logik können die Anrainer nicht nachvollziehen. Grün: „Man weiß schon längst, dass gut ausgebaute Verkehrswege die Wirtschaftskraft in Zentren und Ballungsräume verlagern.“

Noch besteht die Hoffnung, dass dem Mittelkärntner Raum eine neue Güter-Transversale erspart bleibt. Die Bürgerinitiativen sind fest entschlossen, „massiven Druck“ auf die Politik auszuüben. Sollten die Verhandlungen nicht zum gewünschten Ziel führen, sind sie auch zu massiveren Protesten bereit: „Dann müssen wir eben wie die Tiroler auf die Straße gehen. Wir wollen nicht das Kärntner Inntal werden.“

(c) AP (Martin Gnedt)

 
 
 

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